Über 200 Jahre RIEMANN

Die Buchhändlerfamilie Riemann in Coburg hat eine lange Tradition. Herzog Johann Casimir erteilte Friedrich Gruner 1626 das Privileg als Buchführer. Der Ur-Ahne von Joachim Riemann (Inhaber der Riemann'schen von 1959 bis 1986) war also der erste Buchhändler in Coburg.

Mit Ur-Ur-Großenkel Johann Gerhard Riemann wagen wir einen großen Zeitsprung:
1805 eröffnete er in der Spitalgasse 132 eine Buchbinderei, die 1806 um eine Buchhandlung erweitert wurde. 1855 wurde dem Hause Riemann der Titel Hofbuchhandlung verliehen.

Nach wechselvollen Jahren, Umzügen und Übernahmen, gründete der jüngere Sohn Johann Gerhards eine weitere Buchhandlung zunächst in der Ketschengasse. Johann Martin Ernst Riemann hatte als Buchbinder u. a. in Paris gearbeitet. 1855 durfte er sich selbständig machen und erhielt eine der 3 Buchhandels-Konzessionen, die der regierende Coburger Herzog Ernst II. erteilte.

1861 erneuter Umzug: Das Haus Rosengasse 10 wird Domizil der Buchhandlung, die ab 1886 auch der erste Verlag für die bis heute wichtige Tageszeitung ist, das "Coburger Tageblatt".

Ernst Riemann starb 1864, doch seine tatkräftige Witwe Auguste geb. Wittig führte das Geschäft bis zum Eintritt ihres Sohnes Bruno 1877. Er kaufte 1878 das Haus Nr. 9 am Coburger Marktplatz, in dem bis heute die Buchhandlung ansässig ist. Das Haus hat eine bewegte Vergangenheit, vom Kellergewölbe bis zum Dachfirst erzählt es davon: Um 1510 war es "fürnehmbster" Gasthof der Stadt, der wichtige Gäste des Herzogshauses beherbergte. Im 19. Jahrhundert befand sich hier das herzogliche Kammer- und Domänenamt, und der Komponist Felix Draesecke wurde am 7. Oktober 1835 hier geboren.

Am 21. Juni 1888 wurde Bruno Riemann zum "herzogl Sächsischen Hofbuchhändler" ernannt. Seither heißt die Firma E. Riemannsche Hofbuchhandlung.

Nach dem Tod seines Vaters übernahm 1919 Bruno Riemann d.J. das Geschäft und musste es durch schwere Zeiten führen - Inflation und 2. Weltkrieg. Von 1939 bis 1945 unterstützte ihn Tochter und Buchhändlerin Gertraude, ab 1945 trat sein Sohn Joachim in die Firma ein. Am 1. Juli 1959 übernahm er das väterliche Erbe in 5. Generation.

Joachim Riemann und seine Frau Erika trafen mutige, zukunftsfähige Entscheidungen wie den großzügigen Umbau 1961, der die Einrichtung des Geschäfts mit schweren Bedienungstheken und hohen Bücherschränken in eine moderne, helle Selbstbedienungsbuchhandlung verwandelte.

Auch die nächste Generation Riemann schien gesichert, denn Sohn Gerhard macht eine Ausbildung zum Buchhändler. Doch er entschied sich anders, wurde Verleger in München und gründete den Riemann Verlag in der Random House Verlagsgruppe.

Joachim Riemann baute jetzt auf seine Enkel oder Enkelinnen. Für die Zwischenzeit verpachtete er die Buchhandlung zum 1. Januar 1987 an seine Wunsch-Nachfolgerin Irmgard Clausen. Sie wurde 1953 in Kronach geboren, ist in Küps aufgewachsen, wurde in Kulmbach zur Buchhändlerin ausgebildet und hatte im schleswig-holsteinischen Nortorf solide Erfahrungen gemacht mit dem Selbständigsein und der Führung einer Buchhandlung.

1990 baut Irmgard Clausen die Riemann'sche um: Ab sofort erhellt ein Glasdach den Innenhof und ein Zirkuszelt markiert die Kinderbuchabteilung. Die Verkaufsfläche verdoppelt sich.

Nächster Umbau 1997: es geht aufwärts! Eine Treppe führt in den ersten Stock zu Abholfach und Fachbuchabteilung, ins Caféchen und später dann in den Roten Salon. Büros und Lager inklusive.

2006 wird klar: Der erhoffte buchhändlerische Nachwuchs aus der Familie Riemann wird die Nachfolge nicht antreten. Pächterin Irmgard Clausen übernimmt die Firma mit Aktiva und Passiva. Jetzt ist sie die Eigentümerin der E. Riemann'schen Hofbuchhandlung. Längst hat sie sich daran gewöhnt in Coburg und Umgebung mit "Frau Riemann" angesprochen zu werden.

2015: Wachwechsel am Coburger Markt! Nach 28 Jahren übergibt Irmgard Clausen die Buchhandlung an ihre Wunsch-Kandidaten Martina Riegert und deren Mann Martin Vögele. Für Martina Riegert geht als gebürtige Coburgerin ein Traum in Erfüllung. Sie war die erste Auszubildende, die Irmgard Clausen im Jahr 1987 eingestellt hat und leitet als Buchhändlerin die Geschicke im Laden. Martin Vögele stammt vom Bodensee und kümmert sich als gelernter Betriebswirt um die Zahlen der Riemann'schen.